Das Projekt „Minnesänger der Druckgrafik“ fand seine Inspiration in der Figur des Minnesängers, jener Person, die sich zwischen verschiedenen Territorien bewegt und dabei Informationen teilt und empfängt. In dieser Initiative suchten wir, die Beziehung der Menschen zu ihrem Territorium aus einer partizipativen und lokalen Perspektive zu erforschen und den Dialog zwischen verschiedenen Orten in Kolumbien und Deutschland zu fördern.
Während des Projektzeitraums von 2024 bis 2026 wurde gemeinsam mit den Gemeinschaften an Prozessen der visuellen Forschung, Druckgrafik-Workshops, grafischer Produktion sowie an der Entwicklung audiovisueller und editorischer Arbeiten gearbeitet, ebenso wie an der Vorbereitung von Materialien für eine Ausstellung als abschließende Präsentation in Deutschland.
Die Figur des Minnesängers, historisch als itineranter kultureller Vermittler verstanden, ermöglicht es, eine konzeptuelle Parallele zur Praxis der Druckgrafik als narratives visuelles Medium herzustellen. Im Kontext der kolumbianischen Karibik verkörpert der Vallenato-Juglar eine orale Tradition, die Erinnerung, Territorium und kollektive Erfahrung durch Musik und Poesie verbindet. Diese Funktion kultureller Übertragung findet ein Gegenstück in der Druckgrafik, insofern sie Bilder fixiert und deren Zirkulation ermöglicht, wodurch visuelle Erzählungen reproduziert werden, die sich – ähnlich wie das Lied – zwischen Gemeinschaften bewegen können.
Während der Durchführung des Projekts besuchte Gemeinschaften:
Mesas de Inca, Tierra Grata, Cali, Bellas Artes
Als Ergebnis des Projekts wurde eine Reise durch verschiedene Gemeinschaften und Territorien in Kolumbien durchgeführt, in denen Prozesse kollektiver künstlerischer Arbeit, visueller Forschung, audiovisueller Dokumentation und grafischer Experimentation stattfanden, die anschließend in einer Ausstellung in Deutschland zusammengeführt wurden.
Das Projekt zeigte, dass partizipative künstlerische Praktiken, insbesondere die Druckgrafik, zu wirkungsvollen Werkzeugen werden können, um Prozesse von Erinnerung, Ausdruck, Lernen und kollektiver Sinnkonstruktion zu aktivieren. Durch die Arbeit in verschiedenen Gemeinschaften Kolumbiens konnten Räume der Begegnung geschaffen werden, in denen Kunst nicht nur als Mittel der Schaffung fungierte, sondern auch als Instrument des Zuhörens, der Reflexion und der Sichtbarmachung vielfältiger territorialer Erfahrungen. Die in Deutschland durchgeführte Ausstellung erweiterte die Reichweite des Projekts, indem sie diese Erfahrungen in einen internationalen Kontext stellte, neue Lesarten der Territorien ermöglichte und die kulturellen sowie akademischen Verbindungen zwischen Kolumbien und Deutschland stärkte. Auf diese Weise gelang es dem Projekt, Brücken zwischen unterschiedlichen Kontexten zu schlagen und den Wert gemeinschaftlicher Wissensformen als bedeutende Beiträge innerhalb eines umfassenderen künstlerischen und pädagogischen Dialogs anzuerkennen.





