Laura Leppert: ‚Possession‘, Muthesiusprojekt ab April 2021

„Für das Projekt Possession, einem experimentellen Filmprojekt, das in eine 2-Kanal-Videoinstallation mit skulpturalen Elementen münden soll, möchte ich mich nun Effizienz-Architekturen widmen, die in der Landschaft stehen, und ebenfalls von Innerlichkeit geprägt ist – dem Tagebau, der als Negativform Materialien aus dem Boden extrahiert und eine apokalyptische Landschaft erzeugt. …
Zentraler Punkt ist hier der Begriff von Energie, als Rohstoff, Brennstoff und wirtschaftlicher Antriebskraft. Wie wird unveräußerbares Gut, wie Natur, menschliche und tierische Körper und Lebensräume, umgeformt zu Privatbesitz? Ölförderung und Bergbau schreiben sich in den Boden ein – doch dieser Boden ist belebt mit einer Vielzahl von Lebewesen und Erzählungen. Fossile Brennstoffe ziehen ihre Energie aus vergangenen nicht-menschlichen Leben und Metamorphosen. die unterwelt der verschütteten geschichten… Es geht dabei nicht um eine Anprangerung der Missstände oder die Suche nach einem angeblichen Ursprung, sondern um die Entwicklung neuer Ideen der Koexistenz via Allianzen und Symbiosen für eine postapokalyptische Zeit.
Das Projekt Possession, welches sowohl fiktive als auch dokumentarische Anteile enthält, begreift „totes“ und dem Menschen unterworfenes Material wie den Boden, die Dinge um uns und fossile Brennstoffe als verdichteten Komplex von lebenden Organismen und Ökosystemen, die wiederbelebt werden können und uns von ihren Metamorphosen erzählen, was uns einen anderen subjektiven, transzeitlichen Blick auf unseren Energiebegriff ermöglicht.

Tief verzahnt mit Themen des Territoriums, des Eigentums, und der Frage, wer Subjekt ist und in Besitz nimmt und wer Objekt ist und in Besitz genommen wird, soll das Projekt historische, gegenwärtige und zukünftige Aspekte der speziesübergreifenden Psychogeographie des Tagebaus herausarbeiten und erlebbar machen. Dabei kann der Titel „Possession“ sowohl als „Besitz“ oder „Eigenschaft eines Materials“ gelesen werden, aber auch als „Besessenheit“ durch eine Idee oder das ausgedehnte obsessive Graben nach einem gewinnbringenden Rohstoff.
Wir besitzen angeblich das Land, seine Bodenschätze, seine Relikte und Mikrobiome – aber inwiefern sind wir selbst wiederum von diesen besessen und bewohnt? Was sind die Wanderungen des molekularen Bodens in uns selbst, in unserer Umgebung und unserer Technologie? Wie können wir eine neue Verbundenheit mit der Erde eingehen, mit der wir Mikrobiome in unseren Organen teilen? Wie können wir eine neue Beziehung denken, die nicht auf Unterwerfung und Ausbeutung basiert?“ Laura Leppert, März 2021

Laura Leppert (*1993) arbeitet disziplin- und medienübergreifend hauptsächlich mit Video, Installation, Text und Sound. Gebaute und mentale Architekturen, die unsere Gesellschaft ausformt, sind Angelpunkt ihrer Arbeiten. Narrative, die als Skript, Idealbild, persönliche Obsession, Fortschrittssaga, Programm, Wunsch oder plot device auftauchen, sind für sie besonders spannend. Physische oder filmische Räume konstruiert sie als fragmentarische, sich im Werden befindende, in denen die Grenzen zwischen Subjekt und Objekt sich auflösen. Dinge und Architekturen werden zu Charakteren, Objekte zirkulieren im Raum. Laura sucht eine nonlineare Erzählweise, die Effizienz verweigert, und die von Mikro-Makro-Bewegungen und halluzinatorischen Wanderungen durch kulturelle Zeichen und emblematische Orte geprägt ist.
Sie studierte Bildhauerei und Transmedialer Raum in Kiel, Linz und zuletzt in München, u. a. bei Florian Hüttner, Eva Grubinger, Olaf Nicolai, Cécile B. Evans und Simon Starling. Frühjahr 2020 schloss sie ihr Studium als Meisterschülerin ab. Sie war Artist in Residence beim CSAV Artist’s Laboratory der Fondazione Ratti, Como, IT sowie bei KAIR in Kosice, SVK. Sie war Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes, und erhielt das Neustart Kultur Stipendium der Stiftung Kunstfonds, das Stipendium für Bildende Kunst der Stadt München sowie den Absolvent*nnenpreis der AdBK München. Zur Zeit ist sie Artist in Residence bei Zu Gast bei Urbane Künste Ruhr in Dortmund. Laura lebt und arbeitet in Berlin und München.

www.lauraleppert.de
11.03.2021 ,

Forschung und Projekte

Die unter diesem Menüpunkt vorgestellten Projekte erweitern das Wirkungs- und Handlungsfeld der Muthesius Kunsthochschule. Abgesehen von Promotionen, die wir seit 2008 anbieten, sind diese Forschungsprojekte nicht Bestandteil der Lehre, werden aber als offene Angebote in die Studiengänge integriert. Sie ermöglichen Studierenden, ihre Kreativität in der Auseinandersetzung mit den realen Bedingungen unserer Gesellschaft zu trainieren.

Kooperationen

Es entspricht unserem Leitbild, alle Forschungsprojekte studienübergreifend anzulegen. Kooperationen mit den gesellschaftlichen, kulturellen und wissenschaftlichen Institutionen des Landes sind daher selbstverständlich. Hervorragende Wissenschaftler unserer Hochschule brachten wir in Exzellenzclustern mit Spitzenforschern anderer Bildungspartner aus unserer Region zusammen. Im internationalen Rahmen bewegen sich unsere EU-Projekte. Dazu gingen wir länderübergreifende Kooperationen mit Partnern aus den Bereichen Wirtschaft, Kultur und Bildung ein – zuletzt waren darunter beispielsweise Experten aus Dänemark, dem Libanon und der Türkei.

Öffentlichkeitsarbeit

Mit Kunst hoch Schule und den Projekten unter dem Titel Artistic Research knüpfen wir Kontakt zur Öffentlichkeit. Zur Zielgruppe zählen zum Beispiel Schülerinnen und Schüler an allgemein bildenden Schulen Schleswig-Holsteins und ihre Kunstlehrerinnen und Kunstlehrer sowie das Publikum öffentlich geförderter Kultureinrichtungen.

Nachwuchsförderung

Auch für anspruchsvolle biografische Entwicklungen soll es sich lohnen, in Kiel bzw. Schleswig-Holstein zu bleiben. myPlan/EXIST initiiert erfolgreich attraktive Aufgaben im Umfeld der Kunsthochschule. Während Muthesius Projekte Absolventinnen und Absolventen für einen befristeten Zeitraum den Verbleib an der Hochschule ermöglichen.

Fragen zur Forschung?

Maike Brzakala
T 0431 / 5198 – 463, E presse@muthesius.de